RSS ist tod – lang lebe RSS!

Kaum sind 4 Wochen der Blogchallenge #Projekt26 vergangen, stoße ich an meine Grenzen. Nein, nicht beim Schreiben, wie ihr leicht feststellen könnt. Beim Verarbeiten all der vielen guten Beiträge, die anderswo auf mich einprasseln. D.h. eigentlich eher nicht, weil ich kaum nachkomme den div. Tweets zu folgen, bei Torstens Gist-Eintrag nachzuverfolgen, wer wann wo was, … Dabei ist die Lösung völlig naheliegend, einfach umzusetzen und bei mir eigentlich seit Jahren im Einsatz 🙄. Wieso habe ich eigentlich nicht schon früher mal die RSS Einträge erzeugt und bei mir in den Feed-Reader eingespielt. Aber der Reihe nach.

Was ist den RSS überhaupt?

RSS ist ursprünglich die Abkürzung für „Rich Site Summary“ und übersetzt sich seit v2.0 in das Backromym „Really Simple Syndication“. Es bezeichnet ein standardiertes XML-Austauschformat und ist einem Nachrichten-Ticker vergleichbar. Sprich: alle neuen Beiträge, die über einen solchen RSS-Feed bereitgestellt werden, können in einem entsprechenden Reader aufbereitet und lesbar gemacht werden. Und das nahezu in Echtzeit.

WordPress kann das?

Ja und ob! WordPress liefert ab Werk gleich mehrere Feeds aus. Und das schon seit Version 0.71 – also eigentlich schon immer. Sowohl in Sachen Format – wie üblich gibt’s auch da verschiedene „Geschmacksrichtungen“, also RDF, RSS2, Atom, … – als auch in Sachen Inhalt. Standard ist ein gesammelter Feed mit allen Beiträgen: site.tld/feed. Auch die Kommentare können über Feeds mitgelesen werden: site.tld/comments/feed. Und – gerade für das #Projekt26 interessant: auch für die Taxonomien existieren eigene Feeds. Also: Wenn es für #Projekt26 ein passendes Schlagwort (tag) oder eine entsprechende Kategorie (categorie) gibt, dann können diese auch als Feed abgegriffen werden: site.tld/categorie/projekt26/feed, bzw. site.tld/tag/projekt26/feed. Das auch Autoren, Suchen, einzelne Post ihren Feed mitbringen sei mal nur am Rande erwähnt, weil’s im vorliegenden Fall nicht von Belang ist. Aber die Möglichkeiten werden, denke ich, ganz gut sichtbar.

WordPress kann sogar noch mehr. Mit passenden Plugins erweitert besteht die Chance eine WP Installation auch als RSS-Reader zu betreiben. Mein Favorit dafür ist FeedWordPress welches bereits ab Werk reichlich Möglichkeiten für den Bezug von RSS-Feed bietet und über Erweiterungen aus GitHub dem WP-Repo und GitHub noch feingetuned werden kann. Vereinfacht gesagt liest das Plugin die angegebenen RSS-Feeds aus und wandelt sie in Beiträge um. Unter Beachtung von Copyrights (!) lässt sich damit recht einfach eine massgeschneiderte „Zeitung“ aufbauen.

Darf’s etwas mehr sein?

Ich für meinen Teil betreibe eine zentrale Instanz unter einem spezialisierten RSS-Feed-Reader, konkret mit Fever. Sehr zu meinem Leidwesen hat der Autor Shawn Inman das Projekt eingestellt. Dabei weiss ich zuverlässig, das z.B. Frank Bueltge das Projekt mit Kusshand übernehmen und maintainen würde. Gerade dieses tote Projekt ist sowohl hierfür

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Video-Link: https://twitter.com/stkjj/status/1171729213105332225

als auch hierfür zuständig:

If you can't fork it, knife it - (auch) eine Anspielung auf den toten RSS Server Fever

Früher war mal sowas wie Google Reader für eine solche zentrale Instanz zuständig. Zum einen hat aber auch Google sein Projekt zugemacht und zum anderen war ein solcher Service von Google nie meine erste Wahl. Ich bin halt der On-Prem-Onkel, der alles bei sich auf der Maschine haben will.

Wer sich heute einen eigenen RSS-Server aufbauen will, sollte sich einmal Tiny Tiny RSS oder Fresh RSS anschauen. Tiny Tiny RSS war für mich genau das – zu klein, nicht ausreichend im Funktionsumfang und an der Installation von Fresh RSS bin ich erstmal gescheitert, weil ich keinen echten Root-Server betreibe. Aber das lässt sich sicher passend patchen um das auch auf einem Uberspace ans Laufen zu bekommen. Sachdienliche Hinweise dazu bitte in die Kommentare!

Warum einen eigenen RSS Feed Server?

Vorteil dieser zentralen RSS-Instanz: ich abonniere meine Inhalte dort und verteile sie von da aus auf meine diversen Devices. Damit vermeide ich, gelesene Dinge doppelt präsentiert zu bekommen und habe eine zentrale Verwaltung meiner Bookmarks auf interessante Artikel. Die Weboberfläche von Fever ist an sich schon ganz brauchbar, aber sowohl auf dem Mac als auch auf iOS nutze ich „Reeder“ zur Darstellung der Beiträge.

Screenshot vom Reeder RSS Feed Reader der seine Inhalte von meiner Fever RSS Server Instanz bezieht.
Reeder RSS Feed Reader der seine Inhalte von meiner Fever RSS-Server Instanz bezieht.

Hintergrund dafür: nicht alle Feeds werden Volltext ausgeliefert. Siehe oben unter Copyright – da hält sich leider nicht jeder dran. Oder auch um nur einen Teaser zu präsentieren und den Besuch auf der eigenen Seite sicherzustellen (weil da die Werbebanner laufen und für Einnahmen sorgen). Für den Fall kann man mit Reeder leicht in den Browsermodus umschalten und aus den Schnipseln im RSS Feed werden komplette Beiträge in der Browseransicht. Sehr komfortabel.

Na, angefixt?

Bitte, gern geschehen. Wer jetzt – und sei es in einem „einfachen“ Feed-Reader – das Projekt26 per RSS verfolgen mag, … ich hab da mal was vorbereitet:

https://gist.github.com/stkjj/f4b04bf8917c0f03461880c3908d00df

Über den Link bekommt ihr eine .opml Datei – das ist ebenfalls „nur“ XML – mit allen (mir bekannten) Feeds von Webseiten, die am #Projekt26 teilnehmen. Ergänzungen selbstverständlich herzlich willkommen. Da die allermeisten von Euch die Beiträge auch ordentlich taggen (ja, ich weiss, ich hab’s bei meinen beiden letzten vergessen – ist gefixt!), sind die Feeds, soweit möglich, auch „nur“ auf die #Projekt26 Beiträge begrenzt. Bei einigen anderen habe ich es auf die WordPress Kategorie eingeschränkt. Und von wiederum einigen anderen bekommt ihr den Feed der kompletten Webseite. Auch wenn da ggf. Katzencontent dabei sein sollte 😆. Daher gerne die Bitte an alle: erhöht die Qualität eurer Feeds durch passendes Tagging!

So jetzt noch der Nairobi Aspekt

Ein bisschen muss ich mir dann doch treu bleiben. RSS Feeds sind erstmal purer Text. Klar lassen sich auch Bilder, Videos und – gerne dafür genommen – Podcasts darüber ausspielen, aber auf jeden Fall ist das im vorliegenden Fall deutlich datensparsamer als die gleiche Anzahl an Webseiten im Browser rüberzunudeln. Und weil hier das Internet auch schon mal ’ne Ecke langsamer ist oder die Menge Internet wie bei uns als Flatrate sondern in Bündeln verkauft wird* zählt da auch schon mal das ein oder andere eingesparte Byte.

*Aktuell hänge ich an einer 4G Verbindung, die etwas im Randbereich des Providers liegt. Die Geschwindigkeit kommt daher i.d.R. kaum über 5 Mbps raus und 120 MB/mtl. – mit denen wir zu zweit + TV gerade so hinkommen – kosten ca. 35 €. Änderung ist aber in Sicht. Für vergleichbares Geld kommt demnächst ein „HomeFiber“ Anschluß her, der dann unlimited 10 Mbps bringen soll.

4 Antworten auf „RSS ist tod – lang lebe RSS!“

  1. Danke für die OPML, Stefan! Bin momentan auch bei Feedly, aber Ralf, Torsten und ich hatten gestern ein interessantes Gespräch über das Potenzial des Indieweb und mögliche Applikationen, in denen eigenes Blog + Feedreader + Webmention-Features (z.B. „Likes“ oder „Reposts“) + Kommentarfunktion (für die eigene Site wie für alle Sites, denen ich folge!) zusammenlaufen – dezentrales open-source Twitter auf WordPress-Basis, quasi.

    Meines Wissens gibt es, inklusive RSS, alle technischen Standards dafür, bloß (noch) keine Paket-Lösung, die so einfach, kostengünstig/-frei und ansprechend zu nutzen wäre, dass sie wirklich Verbreitung finde könnte. Alles, was ich kenne, was in die Richtung geht, baut auf einer zentralen Plattform auf; dezentrale, selbstgehostete WordPress Blogs mit einem verlässlich gewarteten Plugin für soziale Interaktionen untereinander – das wär’s.

    Sind halt so Träume … 😊

  2. Zack – wieder was gelernt!
    Taxonomien haben einen eigenen Feed 🤔

    Versuche auch wieder mehr im RSS-Reader zu folgen. Ich bin dabei etwas faul und benutze Feedly.

    Es grüßt
    derRALF

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