Ohne Auto geht in Nairobi nichts

… zumindest für Muzungus. Matatu hin, Boda her, … um von A nach B zu kommen, ist es beinahe unerlässlich ein eigenes Auto in Nairobi zu haben und sich sicher bewegen zu können.

Ein Mietwagen (Limousine, untere Mittelklasse) ist ab ca. 3000 KES pro Tag zu bekommen, die ersten 4 x 4 (X-Trail, RAV4, …) starten bei ca. 5000 KES und gehen hoch bis zu 20.000 KES für eine Landcruiser Prado V8. Selbst mit Verhandlungsgeschick, längerer Mietdauer über einen Monat hinaus ist kaum etwas unterhalb von 2500 KES/Tag zu machen. Das wären auf ein komplettes Jahr gerechnet rund 900.000 KES. Der kenianische Gebrauchtwagenmarkt lebt von Importen. Und die sind – auch dank Einfuhrzöllen recht teuer. Selbst dann ist für dieses Budget sogar schon ein 4 x 4 drin.

Für deutlich weniger – 500.000 bis 750.000 – sind kompakte Limousinen oder Hatchbacks zu bekommen. Wer nicht auf die einschlägige Toyotamania zielt kann mit „exotischeren“ Herstellern einiges an Geld sparen. Exotisch heisst in meinem Fall: Peugeot. Obwohl schon seit ewigen Zeiten auch in Kenya im Straßenbild – sogar z.T. lokal produziert, wissen die wenigsten etwas mit der Marke anzufangen. Vorteil für Europäer, die identische Modelle zu Hause vorfinden und sogar die einschlägigen Gebrauchtchecks dagegen fahren können.

Auto in Nairobi kaufen – ein paar Grundregeln

  • Für jedes Auto in Nairobi gibt es mehr als einen Verkäufer – und die Angaben unterscheiden sich von Verkäufer zu Verkäufer erheblich, was Laufleistung, Baujahr, Ausstattung und vor allem Preis angeht. Jeder versucht bei einem Fahrzeugverkauf für sich selbst ein paar tausend Shilling gut zu machen und sei es als Vermittler
  • Angaben wie „immaculate …, clean …, mint condition“ sind i.d.R. keinen Schuß Pulver wert. Die meisten Kisten – insbesonderen höherwertige – sind meist ordentlich runtergerockt und bei einigen Verschleissstellen fragt man sich ersthaft, wie man das hinbekommen kann
  • Auch „lady-driven“, „muhindi-“ oder „muzungu-owned“ sind meist Lockvögel um den Preis vorteilhaft für den Verkäufer zu gestalten. Insgesamt gibt es keine allzugroße Kultur die teuer erworbenen Autos instand zu halten.
  • Das Nummernschild ist stets einem Fahrzeug zugeordnet. D.h. so lange Versicherungsschutz dafür besteht, kann es von jedem (auch vom Händler) beliebig bewegt werden. Was z.T. erhebliche Veränderung zwischen Anzeigenfotos und Besichtigungszustand erklärt.
  • Probefahrten starten oftmals an der Tankstelle, weil die Tanks trocken wie Martinis sind. Bessere Verkäufer investieren 200 – 500 KES in eine Tankfüllung, aber oft genug wird das dem potentiellen Käufer abverlangt

Der eigenen kleine Löwe

Für einen 2010er Peugeot 207 1.6 Turbo 120 PS, Automatik, 5 Türer in gutem Allgemeinzustand und nicht einmal 90.000 km auf dem Tacho fiel ein Kaufpreis von etwas mehr als 500.000 KES  (ca. 4500 €) an. Das ist sogar im Verhältnis zu deutschen Angeboten ein mehr als fairer Preis. Selbst in .de werden vergleichbare Fahrzeuge in dieser Größenordnung gehandelt. Auf kenianische Verhältnisse umgerechnet – hier wird etwa das 1,5- bis 2-fache an Preisen verlangt – ist es ein echtes Schnäppchen. Was sich gleich im  obligatorischen Wertgutachten für die Fahrzeugversicherung niederschlägt: das Auto wurde auf 800.000 KES geschätzt. Nur geringfügig übertrieben, weil die Versicherung an hohen Beiträgen, die in Prozent vom Wert berechnet werden interessiert ist. Aber auch für andere Peugeots 207, die ich mir angesehen und probegefahren hatte wurden durch die Bank 750.000 KES plus aufgerufen.

Nach dem Kauf des Autos

Durchaus üblich – und daher auf den Kaufpreis aufzuschlagen: die erste Inspektion sollte unmittelbar nach dem Kauf getätigt werden. Fahrzeuge werden fast grundsätzlich „as-is“ verkauft und oft mit dem Hinweis das nichts noch vorher geschönt worden sei. Im Rahmen dieser ersten Inspektion habe ich gleich – siehe oben unter persönlicher Sicherheit – die Fenster tönen lassen. Auch das eine nicht unwesentliche Maßnahme um nicht gleich als vitales Ziel erkannt zu werden. Anders als bei uns üblich umfasst das „window tinting“ nicht nur die hinteren Scheiben ab B-Säule, sondern auch die Seitenscheiben auf Fahrer- und Beifahrerseite und sogar die Frontscheibe. Auch wenn man dort freiwillig die „light“ Variante wählt (was längst nicht jeder tut, weil: erlaubt ist auch stockduster!) ist dennoch von außen nicht mehr wahrnehmbar wer oder wieviele Personen sich im Auto befinden.

Eine weitere Modifikation die oftmals ansteht: auch die Franzosen gelangen (wegen der Rechtslenkung) oft genug via Japan nach Kenya. Die dortigen Radios arbeiten in einem anderen Frequenzbereich und so braucht es für die japanischen Radios einen „Expander“ um die in Kenya üblichen Radiofrequenzen alle empfangen zu können. Oder gleich ein neues Radio.

Europa vs. Japan – die kleinen Unterschiede

Keine großen Modifikation dagegen erfährt das Layout des kleinen Franzosen. Die europäische Anordnung von Blinker und Wischerhebel bleibt unverändert – anders als bei den meisten Japanern, die konsequent den Blinkerhebel auf die äußere Seite verlegen – egal ob links oder rechts gesteuert. Und sogar der Zugang zum Sicherungskasten findet sich an gewohnter Stelle links im Armaturenbrett. Sogar die Einstellmöglichkeiten des links Sitzes (eigentlich des Fahrers) bleiben erhalten und der RHD-Fahrer hat das Nachsehen, seinen Sitz nicht in der Höhe verstellen zu können.

Unser Auto in Nairobi: der Peugeot hat ein unverändertes Instrumentenlayout auch als Rechtslenker
Der Peugeot hat ein unverändertes Instrumentenlayout auch als Rechtslenker, Wischer links, Blinker rechts …
Unser Auto in Nairobi: sogar die Sicherungskiste und die Motorhaubenentriegelung sitzen nach wie vor auf der linken Seite
… und sogar die Sicherungskiste und die Motorhaubenentriegelung sitzen nach wie vor auf der linken Seite.

Die aktuelle Situation: es braucht ein neues Auto für Nairobi

Nach einem Jahr Nutzung sind die Grenzen unseres kleinen Franzosen aber schon deutlich sichtbar geworden. Die Straßen in Thindigua sind nicht asphaltiert und nach jedem Regenguss sind die Schlaglöcher eine Nummer tiefer ausgefahren. Entsprechend waren nach rund 12.000 km Jahresfahrleistung erstmal neue Stoßdämpfer vorn zusätzlich zur normalen Inspektion fällig.

Allrad braucht es in der Stadt nicht wirklich zwingend, aber Bodenfreiheit ist Trumpf. Und mit Blick auf ein paar anstehende Besuche auf’m Dorf macht dann doch wieder auch ein SUV Sinn. In ländlichen Regionen verschiebt sich allzuoft die Straßendefinition „Sand-Wasser-Gebunden“ schon mal in Richtung Wasser, also zäher, klebriger Schlamm. Die Suche nach einem Auto für Nairobi hat auf’s neue begonnen. Wieder bevorzugtes Suchterrain: europäische (exotische) Hersteller.

Stay tuned …

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