Ein Donnerstag in Tansania

Ich hatte ja schon mal was dazu geschrieben, dass Tansania vielleicht das bessere Kenia sei. Nachdem ich letzte Woche das – in diesen Corona Zeiten eher zweifelhafte – Vergnügen hatte, nochmal nach Tansania zu reisen ein kleines Update dazu. Vor allem zu einem in mehrfacher Hinsicht denkwürdigen Donnerstag in Tansania.

Urlaub in Tansania? Ernsthaft?

Damit hier weder eine Neiddebatte – „Wieso kannst Du in Urlaub fahren?“ – noch eine Kreuzigung – „Wie kannst Du nur in Urlaub fahren?“ – aufkommt, als erstes der wichtige Disclaimer: es war aus meiner Sicht das Kleinste zu wählende Übel. Eigentlich hatte ich vor dieser Tage Richtung Deutschland unterwegs zu sein. Gerne in Begleitung meiner kenianischen Freundin. Man ahnt es: in Anbetracht der Corona Situation in Deutschland, die eine Einreise für mich schwierig, für meine Freundin unmöglich gemacht hätte, war die Idee schnell vom Tisch. Da aber mein Visum ein weiteres Mal auslief wurden die verschiedenen Möglichkeiten zu kurz raus, fix wieder rein durchgespielt. Auch da sind einige Varianten, die im Gespräch waren schnell aussortiert worden:

  • Shopping in Dubai – inklusive Impfung, die dort angeboten wird: zu teuer, weil eigentlich ein längerer Aufenthalt damit verbunden sein muss um für die Impfung zu qualifizieren.
  • Kurzer Hopp nach Kigali – inklusive mit einem Ostafrika Visum, das Kenia gleich mit abgedeckt hätte. Fuhr leider kurz nach der Ideenfindung in den Lockdown.
  • Strandurlaub in Sansibar – ist ja schliesslich die richtige Jahreszeit dafür. Dachten sich auch reichlich Europäer und Tansania liess es ohne jegliche Corona-Massnahmen zu, dass die Seuche dort vermehrt eingeschleppt wurde. Merke: Sansibar ist afrikanisch Malle

Allen gemeinsam war der Sitzplatz im (gut gefüllten) Flieger. So kam es zu einer Neuauflage der Silvester 2019 Tour: Ab ins Auto – bestmöglich isoliert von der Außenwelt -, viereinhalb Stunden Fahrt nach Arusha, unser kleines, einsames Hotel in dem man dank WLAN auch arbeiten konnte und nur die nötigsten Ausflüge und Kontakte um sich nicht unnötig einem Risiko zu exponieren.

Das Corona Risiko in Tansania

Die Regierung Magufuli hat bereits sehr früh letztes Jahr Corona für beendet, gar einen Hoax erklärt. Nachdem eine Ziege und eine Papaya positiv „getestet“ (zu den Anführungszeichen komme ich noch) wurden, war das Thema von Staats wegen durch. Der Bevölkerung wurden Gebete, Gottvertrauen und Eukalyptus-Inhalation als Schutzkonzept angetragen. Es wurden keinerlei Fallzahlen mehr zur WHO übermittelt und die Grenzen für den Tourismus geöffnet.

Erst im Februar dieses Jahres wurden Masken zumindest als Empfehlung in Betracht gezogen. Folgerichtig waren auch Leute, die im Dienstleistungsbereich aktiv sind – Bankangestellte, Polizisten, Krankenhauspersonal – mit Masken anzutreffen. Einige zumindest.

Ende Februar verschwand der Präsident dann von der öffentlichen Bildfläche. Es gab Spekulationen um Atemwegserkrankungen, Aufnahmen im Nairobi Hospital und/oder sogar des Weitertransports nach Indien. Am eben jenem Donnerstag in Tansania wurde die Nachricht seines Todes – an einer Herzerkrankung – dann offiziell.

Die Corona Test Situation

Bei der Einreise nach Tansania ist laut Auswärtigem Amt kein Coronatest vorzulegen. Gerne wurde uns aber erklärt, dass dies ausschliesslich für die Einreise aus Deutschland via Flugzeug gelte. Ich als Deutscher aus Kenia einreisend müsse selbstverständlich – wie der Kenianer – einen entsprechenden negativen Test vorweisen. Hmm, hatte ich natürlich nicht, also wieder umdrehen und nach Hause? „I have to fine you!“. Einreise möglich.

Umgekehrt verlangt Kenia bei der Einreise einen negativen PCR Test nicht älter als 96 Stunden. Diesem haben wir uns am Donnerstag unterzogen um – Auswertung wurde mit 24, 48 oder auch 72 angegeben – am Wochenende sicher zurück reisen zu können. Für den Test ist eine Vorab-Registrierung unter https://pimacovid.moh.go.tz/#/booking erforderlich. Diese Registrierung ist auch die Grundlage um den Zahlungseingang von 230.000 TSH (umgerechnet ca. 85 €) bestätigt zu bekommen. Zahlungsbelegt und Pass sind dann die Grundlage um den Test durchgeführt zu bekommen.

Das Geld ist leider in mehrfacher Hinsicht schlecht angelegt.

Einerseits fragte beim Grenzübertritt nach Kenia niemand danach. Eventuell auch auf die Unterstützung des wieder eingesetzten Agenten zurück zu führen. Das wäre nun nicht so schlimm, wenn es einem persönlich die Gewissheit verschaffen würde, dass man – zumindest zu dem Zeitpunkt – tatsächlich negativ gewesen wäre.

Die Zweifel blieben nach dem Test und das Hineinhören in den eigenen Körper blieb die einzig zuverlässige Strategie. Es wurden zwei Abstriche gemacht: einer im vorderen Mundraum – kleine Kreuzfahrt unter die Zunge, Wange, Gaumen, … kein Rachen – und in der Nase. Ich sag mal: so bis normale Popeltiefe. Also nichts tiefgreifendes. Hatte ich schon vor dem Test die Ahnung, dass dieser negativ ausfallen wird, weil ausfallen muss, so wurde das mit dem Testsetting bestätigt. Tansania ist mit Corona überfordert. Die einfachste Möglichkeit ist also: jeder der raus will – egal in welchem Zustand – soll und darf ausreisen.

Schon das Testzentrum am Mount Meru Referal Hospital war wenig Zuversicht erweckend: 4 Mannschaftszelte als Station, dazu zwei Container für die Tests. Alles zusammen auf einem offenen Feld hinter dem Krankenhaus, genauer hinter der Schutthalde des Krankenhauses. Man ist versucht zu sagen: „Endstation“, wenn es nicht so zynisch wäre.

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Video-Link: https://twitter.com/bonifacemwangi/status/1369524926940581889

Ergänzung zum Thema Fahrzeugversicherung

Wie schon in meinem ersten Beitrag erwähnt bedarf es einer zusätzlichen Versicherung um auch Deckung in Tansania zu haben. Dachten wir zumindest bis jetzt. Da uns ein Versicherungsfall produziert wurde, lernen wir gerade dazu. Dieser sehr ereignisreiche Donnerstag in Tansania hielt auch noch einen Unfall mit einem Motorrad bereit. Die Blinker und Handzeichen zum Rechtsabbiegen ignorierend meinte eine Enduro noch überholen zu müssen. Ergebnis: eine von Krallrastern komplett aufgeschlitzte rechte Fahrerseite. Und eine Fahrerflucht des Moppeds.

Aktuell geht der Buchbinder Wanninger los, wer für was verantwortlich ist (oder eben auch nicht). Die lokale kenianische Versicherung besteht darauf, dass wir von ihnen einen „gelbe Karte“ – ich vermute mal etwas ähnliches wie unsere grüne Karte – hätte haben sollen. Die tansanische Extraversicherung liefert bis lang nicht mal einen Versicherungnachweis über einen Zahlungseingangsbeleg hinaus. Und der tansanischen Polizei ist das alles ziemlich herzlich, aber egal. Vielleicht erwischt man den Burschen, dann bekommt er eine Strafe. Vielleicht auch nicht. Geld dürfte von ihm keines zu erwarten sein. So er eines hat. Oder überhaupt eine Versicherung.

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