Arbeiten in Nairobi

Ich bin ja nicht zum Spaß hier. Nach wie vor hab ich dafür zu sorgen, dass bei mir der Schornstein raucht. Also: was gibt’s zum Arbeiten in Nairobi alles zu erzählen?

Fangen wir mal mit den trivialen Sachen an: Wo findet sich ein hübsches Plätzchen zum Arbeiten? Wie so oft kommen auch in der Großstadt Nairobi die CoWorkings in Spiel. Im Rahmen von Veranstaltungen hatte ich die Chance ein paar kennenzulernen:

Arbeiten in Nairobi ’s Coworkings

  • Nairobi Garage, Ngong Road
    Schon der Contributor Day des WordCamp Nairobi 2018 fand hier statt und bislang war die Nairobi Garage auch der Treffpunkt für das Meetup. Nachdem Organisator Manuh aber dort kein Büro mehr unterhält sollen nun für ein Meetup 15.000 KES (ca. 140 €) für 2 h Raummiete anfallen. Auch sonst, bietet die Garage nicht gerade das beste Preis-Leistungsverhältnis. Aber wer mal „zur Orientierung“ einen Tag rein schnuppern möchte wird nicht abgewiesen.
  • Metta, Dursit D2
    Ja, das Dursit D2, wo letztes Jahr Januar Al Shabaab Terror und Schrecken verbreitete. Das Metta ist relativ klein, relativ teuer und eigentlich in meiner Einschätzung mehr ein Veranstaltungsort als ein CoWorking. Aber wenn man ein paar Stunden vor der Veranstaltung da ist, kann man auch dort in Ruhe seiner Dinge nachgehen.
  • iHub, Lenana Road
    Hier habe ich mal den Fehler begangen das über coworker.com zu buchen. Was einem niemand sagt: nur weil dort CoWorking Spaces gelistet sind, heisst das noch lange nicht, dass die auch mit der Plattform zusammenarbeiten. Immerhin wurde meine Zahlung anstandslos rückerstattet. Für 1.200 KES (ca. 10 €), die ich dann vor Ort gezahlt habe, liess sich an dem Tag aber sehr entspannt arbeiten. Obwohl ich schon recht früh (zur angegebenen Öffnungszeit) vor Ort war und niemanden vom Management (lediglich ein paar Coworker) antraf, war die Begrüßung und das Onboarding sehr gut und herzlich.
  • WorkStyle Africa, The Address
    Das Gebäude am Muthangari Drive/Wayaki Way heisst wirklich so. Sehr großzügig, sehr modern mit einer tollen Aussicht. Als Coworking Space habe ich es bislang nicht genutzt (ehrlich gesagt warte ich bis heute auf Preisinfos), aber der Workshop der CMS Africa Academy, den ich dort mitveranstalten durfte hat durchaus Lust auf mehr gemacht.
Arbeiten in Nairobi Coworking WorkStyle Africa am Wayaki Way
WorkStyle Africa, wörtlich eine der Adressen …
Arbeiten in Nairobi Coworking WorkStyle Africa am Wayaki Way mit viel Aussicht auf die Stadt
… auf jeden Fall eine mit einer der besten Aussichten
  • KaziZone, Ciata Mall
    Bei uns sozusagen vor der Haustür etwas südlich auf der Kiambu Road gelegen. Vielmehr als eine Anfrage ist bislang noch nicht aus der Idee geworden, dort mal aufzutauchen. Warum? Kommt gleich …

Wie schon erwähnt: coworker.com gibt einen recht guten Überblick über die Möglichkeiten zum Arbeiten in Nairobi. Und zumindest eine grobe Orientierung in Sachen Preise. Im Zweifel aber lieber die einzelnen Spaces direkt kontaktieren und die Raten erfragen.

Cafés und Restaurants in denen man in Nairobi arbeiten kann

Für die mindestens 1.000 KES eines Shared Desk gibt es durchaus eine Menge Alternativen in Form von Cafés. Die beiden größten Ketten, die sich über arbeitende Bevölkerung freuen sind Java und ArtCaffé.

  • Java unterhält in Nairobi gefühlt an jeder Straßenecke eine Filiale. Alle verfügen über ein (zumeist) gutes, stabiles, kostenloses WiFi, der Kaffee ist hervorragend und preiswert. Für 250 KES pro Kaffee gibt es kaum ein besseres temporäres Büro. Nicht alle Plätze (vor allem die unter freiem Himmel) sind mit Steckdosen ausgestattet. Auf Nachfrage beim Service wird einem der nächste freie Platz mit Strom aber gleich zugewiesen. Eines ist ebenfalls in der Ciata Mall zu finden und damit der mächtigste Konkurrent zum o.g. KaziZone Coworking
Arbeiten in Nairobi im Java Coffeehouse - hier Ciata Mall
Java Coffee House – eine der großen Ketten. Hier die Filiale in der Ciata Mall
  • ArtCaffé ist etwas weniger häufig anzutreffen, aber eine gute Alternative falls mal kein Java in der Nähe sein sollte. Preis/Leistung auf gleichem Niveau.
  • Alexandré – mein absoluter Lieblingsort. Zwar nur in Yaya Center und in Village Market zu finden, dafür aber mit den besten Backwaren weit und breit. Die Madeleines alleine sind zum Niederknien.
  • Sapee – ebenfalls u.a. in der Ciata Mall (aber auch in Lavington Mall) zu finden. Wenn’s Abwechslung von Java braucht und die Wege kurz sein sollen, die erste Wahl. Vorallem für die After-Work-Happy-Hour-Casual-Friday-End-of-Month-und-sonstwas „Party“.

Wer über den Kaffee hinaus sich mit fester Nahrung versorgen mag: inbesondere bei den ersten beiden ist die Auswahl groß. Von kleinen Snacks wie Samosas bis zu kompletten, aufwändigen Gerichten ist alles dabei. Bei Alexandré sind die Sandwiches und die Quiches sehr empfehlenswert. Wichtig: in allen Restaurants findet sich immer eine sehr große Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten. Üblicherweise auf der Karte auch als solche gekennzeichnet.

Wenn ich mal Tapetenwechsel brauche, dann sind die o.g. Cafés meine erste Wahl um in Nairobi zu Arbeiten.

Home Office

Eigener Herd, … usw. usf. In unserem „Two Bedroom“ Appartement war bislang ein Zimmer mehr oder minder ungenutzt. So ergab es sich, dass wir daraus ein echtes Büro gemacht haben. IKEA gibt’s (erfreulicherweise) nicht, aber jede Menge sehr gute Schreiner. Die modernen Möbel von Dolphin Furniture (bislang nur über Twitter beworben) hatten es uns angetan. Nach einer Vorstellung unserer Ideen für Schreibtische und Regal wurde uns beides innerhalb einer Woche passend gefertig. Passend wirklich im Sinne des Wortes, weil das Regal exakt in eine Nische passt und Fächer für A4 Ordner mitbringt.

Unser Home Office – maßgeschneidert für kleines Geld

Für die drei Möbelstücke haben wir insgesamt 26.000 KES (ca. 235 €) ausgegeben. Nachdem wir feststellten, dass die Farbe zu kleben anfing, wurden alle Teile kostenfrei für uns vor Ort nachlackiert. Kenianer sind da äußerst erfinderisch, wenn es darum geht für handwerkliche Arbeiten einen Platz zu schaffen. Die Nachlackierung fand vor dem Grundstück mitten auf der Straße statt. Alles in allem – auch wegen des sehr guten Kundenservice – ein wirklich guter Deal. Echte Bürostühle stehen schon auf Abruf und sind das nächste Upgrade, bis dahin sind zwei Mahagonistühle vom Esstisch dafür abkommandiert.

Workpermit

Kommen wir zum etwas komplizierteren Teil. Wer darf hier eigentlich in Nairobi arbeiten? Sagen wir mal so: ich eigentlich (noch) nicht. Aktuell bin ich immer noch mit Touristenvisum, welches 90 Tage gilt, unterwegs. Einmalig kann es um weitere maximal 90 Tage verlängert werden. Was dazu führt, dass ich ab und an mal einen Sprung über die Grenze machen muss. Um neue 90 Tage zu bekommen.

Da ich nicht als Angestellter irgendwo arbeite kommt für mich das normale Arbeitsvisum nicht in Frage. Die mit Sicherheit die einfachste Variante und gängige Praxis bei Expatriats, die hier vor Ort für Konzerne oder NGOs sind. Wer niemand anderem, „local“ einen Arbeitsplatz wegnimmt ist grundsätzlich willkommen.

Für mich als Freiberufler greifen die Regeln als Investor. Sprich: ich werde irgendwann mal $ 100.000 auf den Tisch des Herrn legen müssen, um mein Workpermit zu bekommen. Und damit verbunden den „permanent resident“ Status. Sagen wir mal so: $ 100.000 oder 10 Mio. KES sind eine Menge Holz für einen Freiberufler – ich wüsste spontan nicht, in was ich das alles investieren sollte. Umgekehrt: wer wirklich ernsthaft investieren will, kommt mit $ 100.000 nicht sehr weit. Dafür gibt’s gerade mal ein 3 Zimmer Appartement zu kaufen, das als Büro zweckentfremdet werden könnte. Aber was hilft’s über Sinn und Unsinn von Einwanderungsregeln zu debattieren. Schon gar nicht mit einem deutschen Erfahrungshintergrund. Wir haben da selbst mehr als genug zu tun.

RSS ist tod – lang lebe RSS!

Kaum sind 4 Wochen der Blogchallenge #Projekt26 vergangen, stoße ich an meine Grenzen. Nein, nicht beim Schreiben, wie ihr leicht feststellen könnt. Beim Verarbeiten all der vielen guten Beiträge, die anderswo auf mich einprasseln. D.h. eigentlich eher nicht, weil ich kaum nachkomme den div. Tweets zu folgen, bei Torstens Gist-Eintrag nachzuverfolgen, wer wann wo was, … Dabei ist die Lösung völlig naheliegend, einfach umzusetzen und bei mir eigentlich seit Jahren im Einsatz 🙄. Wieso habe ich eigentlich nicht schon früher mal die RSS Einträge erzeugt und bei mir in den Feed-Reader eingespielt. Aber der Reihe nach.

Was ist den RSS überhaupt?

RSS ist ursprünglich die Abkürzung für „Rich Site Summary“ und übersetzt sich seit v2.0 in das Backromym „Really Simple Syndication“. Es bezeichnet ein standardiertes XML-Austauschformat und ist einem Nachrichten-Ticker vergleichbar. Sprich: alle neuen Beiträge, die über einen solchen RSS-Feed bereitgestellt werden, können in einem entsprechenden Reader aufbereitet und lesbar gemacht werden. Und das nahezu in Echtzeit.

WordPress kann das?

Ja und ob! WordPress liefert ab Werk gleich mehrere Feeds aus. Und das schon seit Version 0.71 – also eigentlich schon immer. Sowohl in Sachen Format – wie üblich gibt’s auch da verschiedene „Geschmacksrichtungen“, also RDF, RSS2, Atom, … – als auch in Sachen Inhalt. Standard ist ein gesammelter Feed mit allen Beiträgen: site.tld/feed. Auch die Kommentare können über Feeds mitgelesen werden: site.tld/comments/feed. Und – gerade für das #Projekt26 interessant: auch für die Taxonomien existieren eigene Feeds. Also: Wenn es für #Projekt26 ein passendes Schlagwort (tag) oder eine entsprechende Kategorie (categorie) gibt, dann können diese auch als Feed abgegriffen werden: site.tld/categorie/projekt26/feed, bzw. site.tld/tag/projekt26/feed. Das auch Autoren, Suchen, einzelne Post ihren Feed mitbringen sei mal nur am Rande erwähnt, weil’s im vorliegenden Fall nicht von Belang ist. Aber die Möglichkeiten werden, denke ich, ganz gut sichtbar.

WordPress kann sogar noch mehr. Mit passenden Plugins erweitert besteht die Chance eine WP Installation auch als RSS-Reader zu betreiben. Mein Favorit dafür ist FeedWordPress welches bereits ab Werk reichlich Möglichkeiten für den Bezug von RSS-Feed bietet und über Erweiterungen aus GitHub dem WP-Repo und GitHub noch feingetuned werden kann. Vereinfacht gesagt liest das Plugin die angegebenen RSS-Feeds aus und wandelt sie in Beiträge um. Unter Beachtung von Copyrights (!) lässt sich damit recht einfach eine massgeschneiderte „Zeitung“ aufbauen.

Darf’s etwas mehr sein?

Ich für meinen Teil betreibe eine zentrale Instanz unter einem spezialisierten RSS-Feed-Reader, konkret mit Fever. Sehr zu meinem Leidwesen hat der Autor Shawn Inman das Projekt eingestellt. Dabei weiss ich zuverlässig, das z.B. Frank Bueltge das Projekt mit Kusshand übernehmen und maintainen würde. Gerade dieses tote Projekt ist sowohl hierfür

als auch hierfür zuständig:

If you can't fork it, knife it - (auch) eine Anspielung auf den toten RSS Server Fever

Früher war mal sowas wie Google Reader für eine solche zentrale Instanz zuständig. Zum einen hat aber auch Google sein Projekt zugemacht und zum anderen war ein solcher Service von Google nie meine erste Wahl. Ich bin halt der On-Prem-Onkel, der alles bei sich auf der Maschine haben will.

Wer sich heute einen eigenen RSS-Server aufbauen will, sollte sich einmal Tiny Tiny RSS oder Fresh RSS anschauen. Tiny Tiny RSS war für mich genau das – zu klein, nicht ausreichend im Funktionsumfang und an der Installation von Fresh RSS bin ich erstmal gescheitert, weil ich keinen echten Root-Server betreibe. Aber das lässt sich sicher passend patchen um das auch auf einem Uberspace ans Laufen zu bekommen. Sachdienliche Hinweise dazu bitte in die Kommentare!

Warum einen eigenen RSS Feed Server?

Vorteil dieser zentralen RSS-Instanz: ich abonniere meine Inhalte dort und verteile sie von da aus auf meine diversen Devices. Damit vermeide ich, gelesene Dinge doppelt präsentiert zu bekommen und habe eine zentrale Verwaltung meiner Bookmarks auf interessante Artikel. Die Weboberfläche von Fever ist an sich schon ganz brauchbar, aber sowohl auf dem Mac als auch auf iOS nutze ich „Reeder“ zur Darstellung der Beiträge.

Screenshot vom Reeder RSS Feed Reader der seine Inhalte von meiner Fever RSS Server Instanz bezieht.
Reeder RSS Feed Reader der seine Inhalte von meiner Fever RSS-Server Instanz bezieht.

Hintergrund dafür: nicht alle Feeds werden Volltext ausgeliefert. Siehe oben unter Copyright – da hält sich leider nicht jeder dran. Oder auch um nur einen Teaser zu präsentieren und den Besuch auf der eigenen Seite sicherzustellen (weil da die Werbebanner laufen und für Einnahmen sorgen). Für den Fall kann man mit Reeder leicht in den Browsermodus umschalten und aus den Schnipseln im RSS Feed werden komplette Beiträge in der Browseransicht. Sehr komfortabel.

Na, angefixt?

Bitte, gern geschehen. Wer jetzt – und sei es in einem „einfachen“ Feed-Reader – das Projekt26 per RSS verfolgen mag, … ich hab da mal was vorbereitet:

https://gist.github.com/stkjj/f4b04bf8917c0f03461880c3908d00df

Über den Link bekommt ihr eine .opml Datei – das ist ebenfalls „nur“ XML – mit allen (mir bekannten) Feeds von Webseiten, die am #Projekt26 teilnehmen. Ergänzungen selbstverständlich herzlich willkommen. Da die allermeisten von Euch die Beiträge auch ordentlich taggen (ja, ich weiss, ich hab’s bei meinen beiden letzten vergessen – ist gefixt!), sind die Feeds, soweit möglich, auch „nur“ auf die #Projekt26 Beiträge begrenzt. Bei einigen anderen habe ich es auf die WordPress Kategorie eingeschränkt. Und von wiederum einigen anderen bekommt ihr den Feed der kompletten Webseite. Auch wenn da ggf. Katzencontent dabei sein sollte 😆. Daher gerne die Bitte an alle: erhöht die Qualität eurer Feeds durch passendes Tagging!

So jetzt noch der Nairobi Aspekt

Ein bisschen muss ich mir dann doch treu bleiben. RSS Feeds sind erstmal purer Text. Klar lassen sich auch Bilder, Videos und – gerne dafür genommen – Podcasts darüber ausspielen, aber auf jeden Fall ist das im vorliegenden Fall deutlich datensparsamer als die gleiche Anzahl an Webseiten im Browser rüberzunudeln. Und weil hier das Internet auch schon mal ’ne Ecke langsamer ist oder die Menge Internet wie bei uns als Flatrate sondern in Bündeln verkauft wird* zählt da auch schon mal das ein oder andere eingesparte Byte.

*Aktuell hänge ich an einer 4G Verbindung, die etwas im Randbereich des Providers liegt. Die Geschwindigkeit kommt daher i.d.R. kaum über 5 Mbps raus und 120 MB/mtl. – mit denen wir zu zweit + TV gerade so hinkommen – kosten ca. 35 €. Änderung ist aber in Sicht. Für vergleichbares Geld kommt demnächst ein „HomeFiber“ Anschluß her, der dann unlimited 10 Mbps bringen soll.

Ist das nicht zu heiss in Nairobi?

Die häufigste Frage, die ich seit ich zu hören bekomme, seit ich in etlichen persönlichen Gesprächen über meine neue Heimat berichte: „Ist das nicht zu heiss in Nairobi?“ Und das sehr oft im doppelten Sinne des Wortes: Wetter und Sicherheit in Nairobi. Aber der Reihe nach.

Das Wetter in Nairobi

Kenia liegt in Ostafrika (also 1 Stunde voraus bei deutscher Sommerzeit, + 2 Stunden im Vergleich zu MEZ) auf Höhe des Äquators. Genauer gesagt: das untere Drittel ist auf der Südhalbkugel, der große Rest im Norden. Bedingt durch die koloniale Historie des Eisenbahnbaus ist aber genau das untere Drittel mit Nairobi in der Mitte, Mombasa an der Küste und Kisimu im Westen am Ukerewe See der wirtschaftlich vitale Teil Kenias. Sprich: das, was die meisten außerhalb Kenias als Kenia wahrnehmen. Wem Ukerewe nichts sagt: bekannter ist der See als „Lake Victoria“, aber ehrlich: der war schon lange vor Queen Victoria da und „entdeckt“. Halten wir fest: Nairobi hat also schon mal die umgekehrten Jahreszeiten wie wir es in Deutschland gewöhnt sind.

Dazu kommen die unterschiedlichen Klimazonen. Mombasa liegt direkt am Meer, Nairobi auf ca. 1700 m Höhe über NN! Wer also schon mal den üblichen Kenia Pauschalurlaub am Meer gebucht hat, wird auf ein komplett anderes Klima treffen als wir hier im Hochland. Das was man hier als „Frühjahr“ (Oktober bis November) und „Herbst“ (April bis Juni) bezeichnen könnte, ist die Regenzeit.

Regen ist hier etwas anders als bei uns

Was – vorallem in den Abendstunden und Nachts – dann in Sachen Regen passiert ist schon sehens- wert und (dank Blechdach) auch hörenswert. Irgendwer da oben scheint einen On/Off-Switch für’s Wasser zu besitzen. Von jetzt auf gleich – ohne jegliche Vorwarnung gießt es. Also nicht so giessen nach unseren europäischen Massstäben. Eher so als wenn man einen mittelgroßen See durch ein Nudelsieb kippt. Und eben so abrupt wie der Regen startet, so fix endet er auch wieder.

Egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Ein paar kräftige Wolken finden sich eigentlich immer am Himmel, den wirklich prallen Sonnenschein gibt es höchst selten, was das Leben hier recht angenehm macht. Aber durchaus auch tückisch in Sachen Sonnenbrand. Der nahezu senkrechte Sonnenstand gibt recht ordentliche UV Werte und insbesondere im Sommer ist auch bei milden 27 °C Sonnencreme dringend empfohlen.

Über den jahreszeitlichen Verlauf sind die Temparaturschwankungen einigermassen übersichtlich. Auch im „dicksten Winter“ habe ich keine einstelligen Plusgrade hier finden können. Die üblichen 15 – 17 °C sind für unsereinen vorsommerlich. Bei den Einheimischen führt das zu Fröstel-Attacken die mit Jacken und Heizstrahlern auf den Terrassen der Bars und Restaurants bekämpft wird.

Heizstrahler auf einer Terrasse bei 19 °C Außentemperatur. Das Wetter in Nairobi ist relativ.
Bei für unsereinen angenehmen 19 °C am Abend gehen auf Nairobis Terrassen die Heizpilze an.

Selbst an heissen Tagen steigt das Thermometer kaum über die 30 °C Marke in Nairobi. Wie gesagt: Küste ist ein komplett anderes Thema. Ein Wochenend-Trip nach Watamu Beach in der Nähe Malindis im November war eine durchaus schweisstreibende Angelegenheit, bedingt sowohl durch höhere Temperaturen als auch einer deutlich höheren Luftfeuchtigkeit. Soviel zum Wetter in Nairobi. Und was ist mit Klima?

Klimawandel in Kenia

Während Australien brennt ging das Löschwasser über Kenia nieder. Der meteorologische Dienst Kenias gab Anfang/Mitte Januar Warnungen über ungewöhnlich hohe Niederschlagsmengen durch. In der Tat: der eigentliche Hochsommermonat Januar ist schon jetzt viel, viel zu nass. Die beschriebenen heftigen Regengüsse, die üblicherweise nach dem November enden, haben sich über den Dezember bis Januar hingezogen. Entsprechend leidet die eh nicht immer komfortable Infrastruktur des Landes darunter. Neben Murenabgängen (mit Toten und Verletzten) in einigen ländlichen Gebieten sind einige unbefestigte Strassen Nairobis schon eher Bachbett ähnlich. Unsere Zubringerstrasse trägt den vollmundigen Namen „Thindigua Highway“ ist aber lediglich ein üblicherweise ordentlich verdichteter zweispuriger Feldweg, der Kiambu Road und Northern Bypass verbindet. Aktuell sind die Pfützen, die sich aneinander reihen, mindestens knöcheltief ausgefahren. Die nötigen Verschränkungen, die es braucht um nicht dauernd aufzusitzen, lassen die Karosserie unseres Peugeots selbst im Schritttempo mächtig knarzen.

Kommen wir vom Wetter zur Sicherheit in Nairobi.

Wie „heiß“ ist das Pflaster in Nairobi? Den Spitznamen, den sich Nairobi in den 1990er Jahren als „Nairobbery“ erarbeitet hatte, würde ich heute so nicht mehr unterschreiben. Natürlich gibt es – vor allem in der Nacht – NoGo-Areas in die sich mal Einheimische, geschweige denn Mzungus vor wagen. Aber diese NoGo-Areas gibt es in New York oder sogar Berlin auch. Das es Kriminalität gibt ist nicht zu bestreiten. Taschendiebstahl, Entführung, Vergewaltigung und Mord – alles dabei und sicher auch in handelsüblichen Mengen.

Aber zum einen wurde ich in all der Zeit in Nairobi noch nie zum Opfer (toi-toi-toi). Zum anderen – ohne gleich in Paranoia zu verfallen: es gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen.

  • Geld und Handy dicht am Körper behalten
  • keinen auffälligen Schmuck oder die extra-flashy Uhr tragen
  • die nötige Privatsphäre beim Geldumtausch oder bei der Automatenabhebung sicherstellen
  • Meiden von Menschenmassen und potentiellen Angriffszielen – oder wie’s auch gerne hier heisst: „mach einen Bogen um die Amis“
  • Auto auch während der Fahrt verschliessen und in einigen exponierten Ecken auch die Fenster geschlossen halten
  • Keine Wertgegenstände im Auto zurücklassen – gerüchtehalber soll es Detektoren für Laptops in Autos geben – weiss da jemand was?

Überhaupt gehört ein Auto zur persönlichen Sicherheitsausstattung eines Expats. Der öffentliche Personennahverkehr in Nairobi und warum man ihn nicht nutzen mag ist mal eine eigene Story wert.

Aber was ist mit Terror?

Richtig ist, dass Kenia – inbesondere die an Somalia angrenzten Nordprovinzen – auch mal von Al-Shabaab Milizen überfallen wird. Kenia ist militärisch bei der Befriedung des als „failed state“ einsortierten Somalia engagiert. Sehr zum Unwillen von radikalen Islamisten im Süden Somalias, die dort streng nach der Schari’a leben. In drei Fällen wurde Al-Shabaab auch in Nairobi aktiv:

  • 2013 beim Anschlag auf die Westgate Shopping Mall mit mindestens 67 Toten und mehr als 100 Verletzten (offizielle Zahlen, die oft genug als zu niedrig bezeichnet werden)
  • 2014 ein Handgranaten Anschlag im Stadteil Eastleigh (wo viele Somalis leben) mit 6 Toten
  • 2019 der Anschlag auf den Dursit D2 Komplex – Hotel, Restaurants und Büros – bei dem mindestens 21 Menschen ums Leben kamen (auch zu der Zahl gibt es reichlich Debatten)

Wenn man dann noch den Anschlag 1998 auf die US-Botschaft dazu rechnet, dann ist das sicher etwas mehr als Berlin, aber durchaus vergleichbar mit London oder Paris. Dennoch halte ich die Wahrscheinlichkeit in einer so großen Stadt zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein für sehr überschaubar. Oder wer in Spandau, Köpenick oder gar Potsdam hat im Dezember 2016 was vom Breitscheidplatz direkt mitbekommen?

Vermeintliche Sicherheit

Ein Versuch „Sicherheit zu produzieren“ ist auch an jeder Grundstückseinfahrt und an jedem Hauseingang zu finden: Es ist absolut üblich, dass die mit Mauern und Stacheldraht umstandenen Grundstücke mit einer Wache am Tor besetzt sind. Wir sprechen nicht von Kasernen. Das ist an jedem einzelnen Grundstück so. Egal ob Einfamilienhaus (dort oft auch als gated community im Zusammenschluß mehrerer), Appartementblock, Bürogebäude, Behörde oder Einkaufszentrum: überall findet sich Wachpersonal. Sofern der Publikumsverkehr etwas erhöht ist, mit Durchleuchtung des Autos, Personenkontrolle und div. Eintragungen in dicke Bücher, wer wann, wo reingegangen ist.

Datenschutzrechtlich dürfte davon in nächster Zeit aufgrund des neuen Kenya Data Protection Act sicherlich das ein oder andere kassiert werden. Aber auch abgesehen davon ist das allermeiste wirklich „Foo“. Die Wachen gehören zu den schlechtbezahltesten Arbeitnehmern und dürften im Falle eines Angriffs wie 2013 und 2019 die ersten sein, die die Füße in die Hand nehmen. Und die Kontrollen sind i.d.R. eher oberflächlicher Natur. Sofern die Jungs und Mädels am Eingang keine Ausbildung zum Sprengstoffhund haben, ist mit „Autotür auf, einmal drübergucken“ sicher nichts zu finden.

Kurz gesagt: nach meinen persönlichen Maßstäben ist Sicherheit in Nairobi in ausreichendem Masse gegeben.

Tansania – vielleicht das bessere Kenia?

Hmm, Nairobi Notes und dann erstmal einen Artikel über Tansania? Ja, ja … schon gut! Aber ein paar frische Eindrücke von dem Kurztrip nach Tansania – vielleicht das bessere Kenia – wollen festgehalten werden.

Panorama der Gegend um Arusha, Tansania - dem vielleicht besseren Kenia. Links der Mt. Meru, rechts der Mt. Kilimanjaro. Leider von Wolken weitgehend verdeckt
Panorama: links Mt. Meru, rechts (hinter den Wolken) Mt. Kilimanjaro

Die Idee war Silvester und Neujahr am Fuß des Kilimanjaro zu verbringen. Zum einen, weil der Name alleine schon faszinierend ist. Zum anderen, weil sich schon der andere olle Lebemann namens Hemingway sich da rumgetrieben hat. Und auch – Psst! Nicht petzen! – weil mein bereits verlängertes Visum am 4. Januar 2020 ausgelaufen wäre. Der Sprung hinter die Grenze qualifiziert damit für neue 90 Tage bei der Einreise. Hintergrund: meine „Permanent Residency“ hängt immer noch in der Luft. Vielleicht in einem anderen Post mal mehr dazu …

Kenia und Tansania pflegen nicht immer das beste Verhältnis zueinander. Den Kenianern gelten die südlichen Nachbar als „lazy“. Für die Tansanier sind die Kenianer „savages“. So heisst es zumindest. Sagen wir mal so: in der Tat ticken die Uhren in Tansania gefühlt etwas gemütlicher und die Menschen pflegen einen relaxteren und freundlicheren Umgang miteinander. Zu den kenianischen Unsitten (vorallem im Strassenverkehr) gibt’s auch gerne nochmal separat Post-Nachschlag.

Die Reise von Nairobi nach Arusha ist keine wirkliche Herausforderung und kann bequem mit jedem PKW absolviert werden. Oder – zumindest habe ich mir das geschworen – beim nächsten Mal mit dem Motorrad. Über den Mombasa Highway geht’s bis Athi River. Dort einmal rechts abbiegen auf die A104 zur Grenze nach Namanga. Von dort weiter nach Arusha. In unserem Fall noch ein paar Kilometer hinten dran Richtung Moshi. Unser Hotel „Kilimanjaro Eco Lodge“ liegt einigermassen in der Mitte am Fuß des Mount Meru.

Lernt das vereinte Europa wieder schätzen!

Allen Nationalisten in Europa sein ein Road-Trip durch Afrika empfohlen. Der Grenzübertritt grundsätzlich ist nicht sehr schwierig. Kenianer reisen Visum-frei, ich als Mitteleuropäer bekomme eines Online vorab für ein paar Dollar ausgestellt. Aber das Prozedere an der Grenze ist für uns ein Film aus längst vergangenen Zeiten. Und ehrlich: nie ist mir das so bewusst geworden wie in der guten Stunde, die wir mit der Grenzabfertigung verbracht haben.

Als erstes:

  • Auto parken
  • Kofferraum auf
  • Gepäck raus und zu Fuß damit zum Grenzer-Gebäude.

Dort wird das Gepäck wie am Flughafen durch den Fliessband-Scanner geschickt. Während dessen ist man selbst mit Auskünften zur Gelbfieber Impfung Auskunft beschäftigt (aktueller und vollgestempelter Impfausweis sehr empfohlen). Dann Auschecken in Kenia:

  • Passkontrolle inkl. Abgleich des Konterfeis via Kamera mit dem biometrischen Ausweisbild.
  • Einmal alle 10 Fingerabrücke abliefern
  • Dann weiter zum Check-In in Tansania.

Erfreulicherweise innerhalb des gleichen Gebäude, das als „One-Stop-Border-Control“ einen echten Fortschritt zu einigen Jahre zuvor (so wurde mir berichtet) darstellt. In Tansania das gleiche Spiel:

  • Visum und Einreiseformular vorzeigen
  • Passabgleich mit Kamera und wieder 10er Scan der Fingerabrücke.

Der Datenschützer in mir bekommt langsam Schnappatmung.

Da wir mit dem eigenen Auto unterwegs sind ist das Log-Book – vergleichbar unserem Fahrzeugbrief – unseres Peugeot 207 im Gepäck. Auch unsere Löwenbaby wird „eingereist“, sprich temporär importiert, was bedeutet dass das Logbook einkassiert unter Verwaltung der kenianischen Grenzbehörde gestellt wird. Schliesslich könnten wir das Auto ja in Tansania sonst verkaufen. Dazu kommt noch eine Kfz-Versicherung, da unsere kenianische Versicherung das benachbarte Ausland nicht abdeckt.

Der Hacker in mir wird wach

Der entsprechende Beamte ist locker drauf und sehr freundlich (wie übrigens alle Grenzer!). So kann ich mir die Frage erlauben, ob er nebenbei einen schwunghaften Gebrauchtwagen Handel betreibt. Immerhin ist das Logbook, ebenso wie unser Fahrzeugbrief, schliesslich ein Eigentumsnachweis. Es wäre ein Leichtes, wenn mal hier und da ein Logbook unauffindbar wäre. Dafür umgekehrt ein geklautes Auto gleicher Baureihe auf einmal neue Papiere hätte. Immerhin bekommen wir ausnahmsweise das Logbook wieder ausgehändigt. Keine Ahnung ob aufgrund der guten Stimmung oder ob meines ehrlichen Gesichts. Immerhin dürfte uns das beim Wiedereintritt in die kenianische Atmosphäre schon mal eine Lauferei ersparen.

Apropos erspart und Lauferei: einiges davon übernimmt unserer „Customs Agent“. Lizenzierte Helferlein, die einen unmittelbar vor der Grenze „auflauern“ und ihre Dienst anbieten. Ob die wirklich verpflichtend sind, habe ich bis heute nicht in Erfahrung bringen können. Und: Keine Ahnung, wie lange die Chose ansonsten ohne ihn gedauert hätte. Wohl gemerkt: zu diesem Zeitpunkt ist nicht sehr viel zu tun und erst nach uns trudeln 3 Busse ein!

Zusätzlich wird uns dringlich ans Herz gelegt in Verbandskasten, Warndreieck und Feuerlöscher zu investieren. Alles Dinge, die in Kenia sicher auch hilfreich, aber eben nicht vorgeschrieben sind. Entsprechend selten findest sich das auch in den Fahrzeugen die gemeinhin zu kaufen sind. Tansania hat in der Tat die sehr viel strengeren Strassenverkehrsregeln. Diese werden aber auch sehr viel klarer in der Ausschilderung angezeigt. Und auch recht konsequent verfolgt. Na, ja fast. Dazu später mehr.

Lauferei, Zeitverlust und Kosten

Wie schon erwähnt: neben all dem Papierkram und der dazu notwendigen Zeit von gut einer Stunde addierten sich am Ende noch

  • 3500 KES (ca. 32 €) für die Kfz-Versicherung,
  • 2000 KES (ca. 18 €) für unser Helferlein von Kenia nach Tansania
  • 1000 KES (ca. 9 €) für das Helferlein auf der Rückreise von Tansania nach Kenia
  • 2800 KES (weitere ca. 25 €) für die Aufrüstung unseres Sicherheitsequipments.

Alles in allem also rund 84 € + je ca. $ 50 für das tansanische und das kenianische Visum.

Ist nun Tansania vielleicht das bessere Kenia?

Kann sein, dass es der (Kurz-)Urlaubsstimmung geschuldet ist, aber irgendwie erschien mir Tansania europäischer als Kenia. Ok, mindestens südeuropäischer. Die Landschaft hinter der Grenze in Namanga ist eine Mischung aus Allgäu und Südtirol. Aber alles ordentlich wie in der Schweiz. Ja, auch in Tansania gibt es Armut. Ja, es gibt auch dreckige Ecken. Aber alles in allem wird man den Eindruck nicht los, als würde hier einmal die Woche feucht durchgefeudelt. Mag sein, dass auch die Abhängigkeit vom Tourismus ein Grund dafür ist. Etwa ein Viertel des Bruttosozialprodukts Tansanias steuert der Tourismus bei. Kilimanjaro, Serengeti, Ngorongoro – alles weltbekannte Namen nicht erst seit Prof. Grzimek. Und alle in Tansania gelegen. Dazu noch Sansibars Strände und schon wird das Bild in Sachen Tourismus rund.

Dazu die schon erwähnte Entspanntheit. Vorallem im direkten Vergleich mit Nairobi. Ok – Großstadt Nairobi mit der ländlichen Region vor Arusha und dem nur ein Zehntel so großen Arusha selbst zu vergleichen ist sicher unfair. Vielleicht liegt ein Teil auch in der wirtschaftlich etwas schwächeren Situation von Tansania begründet. Es gibt demgemäß etwas weniger Autos auf den Straßen.

Ein weiterer sehr viel wichtigere Aspekt aber ist der respektvollere Umgang miteinander. Die Unmöglichkeiten des Nairobi Traffics erlaubt sich schlicht und ergreifend niemand. Wo bei Stau in Nairobi aus einer Fahrspur gleich derer vier werden, bleibt Arusha gelassen und freundlich. Spätfolgen des „afrikanischen Sozialismus“ der bis in die 80er Jahre in Tansania herrschte? Ein bisschen Ostalgie schwingt sich ein.

Ganz sicher aber auch wegen der sehr viel häufigeren Polizeikontrollen entlang unserer Route. Die Verkehrsregeln entsprechen den unseren, die Ausschilderung ist klar und unmissverständlich mit internationalen Verkehrszeichen. Die meisten Kontrollen (etwa 2 bis 3 pro Tag) beschränken sich auf die Durchsicht der Papiere und enden meist mit einem freundlichen „Gute Weiterreise“.

Die Ausnahme der Regel

Nur in einem Fall drängt sich der Eindruck auf: Aussieben nach Nummernschild, dann einen Verstoß finden. Der junge Polizist ist freundlich aber sehr nachdrücklich in seinem Vorwurf ich hätte einen Zebrastreifen missachtet und nicht auf Null abgebremst. Da er mich als „professional driver“ bezeichnet, wüsste ich gerne woran er das „professional“ denn festmacht. Mein Führerschein als solcher macht für ihn die Profession. Ich kann ihm klarmachen, dass mein Verständnis von „professional“ auf mehr als 1 Mio. gefahrener km beruht. Ein unvorstellbare Zahl für ihn. Die meisten Kenianer (und wohl auch Tansanier) kommen im Durchschnitt auf 8000 km p.a. Fahrleistung.

Hilfsweise werden dann die Badelatschen in denen ich fahre bekrittelt. Schuhe oder barfuss! Alles andere ist unsicher! Auch dazu tue ich ihm höflich meine „professionelle“ Meinung kund, aber sein Urteil steht fest: 30.000 TZS (ca. 15 €) will er sehen. Da wir (vorgeblich) kein Bargeld dabei haben, bieten wir Kreditkartenzahlung an. Was (erwartungsgemäss) nicht funktioniert. Die Frage nach M-PESA – dem mobilen Zahlungssystem (auch dazu ein andermal mehr)- beantworten wir wahrheitsgemäss mit „nur die kenianische Variante“. Das es selbst für Bargeldauszahlungen ein Roaming-Abkommen zwischen den nationalen Providern gibt scheint er zu unserem Glück nicht zu wissen. So lässt er uns dann nach Schuhwechsel und ein paar Höflichkeiten unverrichteter Dinge und unkassiert wieder ziehen. Ich fürchte ein paar andere kenianische Nummernschilder haben heute für mich mitbezahlen dürfen.

Trotzdem: unser Entschluß steht fest! Wir kommen wieder. Vielleicht sogar für eine sehr viel längere Zeit. Die Freundlichkeit und Gelassenheit des Landes lassen Tansania als eine gute Basis für einen entspannten Lebensabend erscheinen.

Blogging Challenge #Projekt26 … accepted!

Mal wieder war es der von mir so geschätzte Torsten Landsiedel, der mit einem, nein zwei Tweets zur Blogging Challenge #Projekt26 alles lostrat:

Einmal hatte ich mich am – zugegeben noch etwas anstrengenderen – Projekt52 in Sachen Blogging versucht und war kläglich gescheitert. Aber „nur“ alle zwei Wochen was schreiben? Und dazu auch noch etwas auf Vorrat in der Kiste haben, das nun ausgebuddelt und veröffentlich werden kann? Warum also nicht nochmal einen Versuch mit der Blogging Challenge #Projekt26 starten?!

Ok. Beim Studium der Bedingungen kam dann der erste Dämpfer:

Das Thema sollte WordPress sein, angrenzende Themengebiete, wie CSS, Javascript, etc. gehen natürlich auch. Bonuspunkte gibt es für Artikel zum Thema Gutenberg.

https://torstenlandsiedel.de/2019/12/28/projekt26-jetzt-erst-recht/

Hmm, nicht gerade deckungsgleich, mit dem, was ich in der Schublade habe. Der Name des Blogs „Nairobi Notes“ legt es nahe: hier geht’s um meine neue Wahlheimat. Um Dinge, die ich um mich herum wahrnehme und die manchmal so gar nicht in meinen bisherigen Erfahrungshorizont passen und daher aufgeschrieben und erklärt gehören. Aber da zu meiner Wahlheimat Nairobi eben auch WordPress in meinem beruflichen Umfeld gehört, werde ich die Themenauswahl einfach etwas erweitern.

Dann eben auch ein bisschen WordPress als Thema

Auch da gibt es genügend Dinge, die hier anders (nicht unbedingt besser, nicht unbedingt schlechter, einfach nur anders) laufen als unsereiner das von „good old Germany“ gewohnt sein mag. Und das bringt dann auch gleich die zweite Änderung an meinem Vorhaben mit sich: deutsch oder englisch? Oder beides?

#Projekt26 und #project26 side-by-side

Hmm … Ausgangspunkt meiner Überlegung sind die beiden Zielgruppen, die ich im Kopf habe:

  • Der deutschsprachige Teil wird im wesentlichen die „Daheimgebliebenen“ adressieren. Ich werde versuche ein bisschen Einblick in meine tägliche Lebenssituation und in mein Arbeitsumfeld zu geben.
  • Der englischsprachige Teil richtet sich auch die lokale Community um wird neben WordPress auch ein bisschen „Businesstalk“ enthalten. Ich bin nun mal in erster Linie Betriebswirt und gerade in dem jungen und aufstrebenden Umfeld Nairobi fühle ich mich geradezu verpflichtet ein bisschen was von meiner Erfahrung aus 20 Jahren Selbstständigkeit weiterzugeben.

Für den Anfang werde ich mir den Aufwand von multilingualen Plugins erstmal sparen. Also bitte nicht wundern, wenn sich die Artikel in deutsch und englisch (im Idealfall) abwechseln. Und folgerichtig, wird dieser Artikel hier der einzige sein, den es auch in englisch zu lesen geben wird. Und: ich lasse mich auch gerne von besseren Wegen im Rahmen der Kommentare überzeugen. Wie war das doch gleich:

Alle zwei Wochen muss ein anderer Blogartikel kommentiert werden – das ist neu, aber wichtig, damit wir den Blog wieder als zentralen Ort für den Austausch nutzen und das nicht auf den Social Media Plattformen diverser Konzerne machen.

https://torstenlandsiedel.de/2019/12/28/projekt26-jetzt-erst-recht/

Ein sehr löblicher Ansatz BTW, den ich sehr unterstütze!

Also dann: was spricht dafür, was dagegen deutsch- und englischsprachigen Content locker in einer Timeline zu mixen? Und falls die Nachteile (z.B. in Sachen SEO) überwiegen: welchen Weg für multilingualen Content empfiehlt die geneigte Leserschaft? Und warum?

Ich bitte um Kommentare!